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Erfolg liegt in der Luft (Artikel der Getränke Zeitung - Ausgabe 24)

Was ihm passiert ist, will man nicht erleben: Nach über 25 Jahren im Oetker-Konzern, in denen Dr. Erlfried Baatz schließlich sogar zum persönlich haftenden Gesellschafter aufstieg und kurz darauf die Verantwortung an der Spitze der Radeberger Gruppe übernahm, ließ man ihn fallen. Auf dem Gipfel seiner Karriere. Völlig überraschend und ohne dass es Streitigkeiten über die Richtung der Geschäfte gegeben hätte. Nach einem Vierteljahrhundert als Gestalter in einem Konzern mit "hoher Management-Freiheit", wie Baatz erzählt, kam das abrupte aus.

Damals Ende 50, habe er zwei Möglichkeiten gehabt: sich vorzeitig zur Ruhe zu setzen oder noch einmal richtig durchzustarten. "Von 200 auf null soll aber nicht so gesund sein", beschreibt er im Gespräch mit der GZ seine Überlegungen in jener Zeit und lacht. Seinen Humor hat er nicht verloren. Und dass er sich für einen Neuanfang entschied, war schnell klar. Umtriebig und immer voller Ideen und Tatendrang, sah er sich noch lange nicht im Lehnstuhl.

Stattdessen begann er beim Beratungsunternehmen WP Force - un duwrde beauftragt, die drohende Insolvenz des Berliner Spirituosenunternehmens Schilkin abzuwenden. Die Aussichten für den Erhalt der Firma waren gut, er investierte Hoffnung und vor allem Geld ins Unternehmen und ist heute, zusammen mit Dr. Patrick Mier, geschäftsführender Gesellschafter des Traditionshauses.

Den edlen Zwirn, in dem man ihn aus Konzern-Zeiten kannte, hat er gegen schwarze Jeans, Poloshirt mit eingesticktem Markenlogo und Sneakers getauscht und fährt mit dem Rad zur Arbeit. Die Berliner Luft tut ihm sichtlich gut. Kein Wunder, denn seit dem erfolgreichen Abschluss des Schutzschirmverfahrens und der damit verbundenen Sanierung geht es für das Unternehmen nur noch aufwärts.

Mit dem Ergebnis der Neuaufstellung ist der neue Mann an der Spitze äußerst zufrieden: Die Forderungen habe man zu 85 Prozent bedienen können; mit dem Hauptgläubiger, dem deutschen Staat, habe man in erfolgreichen Verhandlungen einen Verzicht auf 3,5 Mio. Euro an Branntweinsteuern erzielt. Für die öffentliche Hand sei diese Lösung letztlich günstiger gewesen und man habe sogar alle festangestellten Mitarbeiter halten können, freut sich Baatz.

Vor zwei Jahren war das alles noch nicht absehbar. Denn das vor bald 100 Jahren von dem russischen Immigranten Apollon Fjodorowitsch Schilkin in Berlin gegründete Unternehmen litt an den langfristigen Folgen der DDR-Wirtschaftspolitik: Kaum von der Zerstörung im Krieg regeneriert, hatte sich der Staat Stück für Stück des florierenden Unternehmens bemächtigt - bis zur vollständigen Enteignung Anfang der 1970er Jahre.

Als die Eigentümer die Geschäfte nach der Wiedervereinigung von der Treuhand zurückbekamen, blieb ihnen kaum eine Wahl, als die riesigen Kapazitäten - man belieferte die gesamte Hauptstadtregion und große Teile Ostdeutschlands mit Hochprozentigem - in Handelsmarkenregister zu leiten.

Die im Osten starke Spar gehörte zu den ersten Kunden nach der Wende, dann kam Aldi Nord dazu und zuletzt Edeka. "Mit der Zeit wurden die Geschäfte immer rauer - und immer weniger auskömmlich", beschreibt Baatz die schwierige Lage, die sich zuletzt immer mehr zuspitzte - bis die Inhaber die Notbremse zogen und sich für das Schutzschirmverfahren entschieden.

Damit war der Weg frei für eine Kündigung der Geschäfte mit der Edeka, und die Verträge mit Aldi wurden nicht verlängert. Der Umsatz stürzte von damals 53 Mio. mit einem Schlag auf etwa 14 Mio. Euro ab, erinnert sich der ehemalige Oetker-Manager, der sich vom Handelsmarkengeschäft ganz verabschiedete und heute ausschließlich auf "echte" Marken setzt - allen voran auf die "Berliner Luft", die mit rund zwei Mio. Einheiten für gut 50 Prozent des Umsatzes steht, bei deutlich steigender Tendenz.

Und die ist eben ein echter Glücksfall: Der traditionsreiche Pfefferminzlikör begeistert nicht nur seine treuen alten Fans, sondern ist inzwischen bei vielen jungen Leuten der absolute Kult. Daran hat sicherlich nicht zuletzt Testimonial Emely einen entscheidenden Anteil, die man in Thüringen entdeckte. Und die, am Rande bemerkt, "schon vorher" türkisfarbene Haare hatte. "Studenten-Clubs, Szene, Underground - alle fragten auf einmal bei uns nach der Berliner Luft", kann Baatz die Begeisterung noch gar nicht recht fassen. Entsprechend kultig bestellen die jungen Konsumenten auch ihre Lieblingsspirituose: "Eine Brise Luft" oder auch "einmal Zähneputzen", lautet die Order. Dazu passt der neue Claim "Einatmen. Ausatmen.", den sich das Management wohl zuweilen selber vorsagen muss, um die stürmische Entwicklung zu begreifen.

Um die Marke angesichts solcher Begeisterung aktuell zu halten, muss man freilich einiges tun, das ist Baatz klar. Und er staunt bis heute darüber, wie schnell sich gute Ideen in einem kleineren mittelständischen Unternehmen umsetzen lassen. Hier könne man rasch und ohne großes Risiko Marketingaktivitäten entwickeln, ausprobieren und notfalls wieder verwerfen, freut er sich über die im Vergleich mit einem schwerfälligen Konzern große Wendigkeit.

Davon macht man denn in Berlin-Kaulsdorf auch reichlich Gebrauch. Damit die Marke für ihre Fans nicht "langweilig" wird, wurde das Portfolio mehrfach um neue Marken ergänzt: Neben der Standardvariante mit 18% vol. ist Berliner Luft inzwischen auch mit 40% vol. erhältlich; zudem gibt es verschiedene geschmackliche Abwandlungen wie beispielsweise den Sahnelikör "Schoko" sowie saisonale Sorten wie "Orange", die im Sommer dieses Jahres präsentiert wurde, oder die neue Winter-Luft "Bratapfel".

Als Souvenier besonders beliebt ist Berliner Luft in Sondergebinden wie einer Flasche in Form des Brandenburger Tors oder des Berliner Fernsehturms. Aktuell regt die Marke die Sammelleidenschaft mit einer "Kiez-Edition" an: Die Berliner Luft-Flaschen sind mit zwölf Motiven aus Berliner Stadtteilen auf den Etiketten erhältlich. Dass mitunter vermeintlich kleine Änderungen große Wirkung haben, zeigt die Entwicklung eines Verkaufsdisplays für die Taschenflasche und die Miniaturen: Dadurch habe sich der Absatz verzehnfacht, berichtet Dr. Erlfried Baatz über den erfolgreichen Schritt.

Was außerhalb der Hauptstadt indessen weniger bekannt ist: Neben dem trendigen Hauptprodukt hat Schilkin eine Fülle weiterer traditioneller Spirituosen im Portfolio, die darauf warten, aus dem Dornröschenschlaf geweckt zu werden: So steht eines der Gründungsprodukte - Schilkin Vodka, der bereits 1931 aus der Taufe gehoben wurde - an zweiter Stelle im Sortiment. Er liege aber noch unter 500.000 Flaschen. "Erst ab einer Million ist man Marke, darunter wird man nicht wahrgenommen", gibt sich Baatz bescheiden.

Auf Platz drei folgt der Branntweinverschnitt "Goldbrand". Ihn hat der Chef als Nächsten für einen größeren Relaunch im Blick, ohne allerdings Konkretes berichten zu wollen. Hinzu kommen unter anderem eine umfangreiche Likörrange, allen voran der Persico mit der längsten Tradition, der aus der VEB-Zeit gerettete Wodka-Zitrone-Mix "Timm's Saurer" mit Kultpotenzial, ein zum aktuellen Trend passender, neu entwickelter "Berliner Dry Gin" und, und, und.

Viele Möglichkeiten also, die das Management allerdings nicht von seinem derzeitigen Hauptziel ablenken: Am wichtigsten sei es jetzt, Berliner Luft national in Handel und Gastronomie zu bringen, betont der Mann an der Spitze. Der Pfefferminzlikör ist inzwischen unter anderem bei Rewe, Edeka und Kaufland sowie bei trinkgut gelistet und hat die Heimatregion längst verlassen. In Norddeutschland und Nordrhein-Westfalen ist er bereits weit verbreitet, ebenso bundesweit in vielen Universitätsstädten. Weiße Flecken auf der Landkarte seien noch Bayern, Baden-Württemberg und der Frankfurter Raum, sagt Baatz.

Derzeit liegt Schilkin bei einem Umsatz über 14 Mio. Euro, und das ganz ohne Handelsmarken. "Unser Drei-Jahres-Plan wurde dramatisch übertroffen", bilanziert der Geschäftsführer. Das Ziel, mit Ertrag zu wachsen, habe man bisher mehr als erreicht. Das wüssten auch die Mitarbeiter, die anfangs verständlicherweise skeptisch gewesen seien. "Der Erfolg macht auch sie stolz", freut sich Baatz.

Barbara Rademacher

 

15.11.2016